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Vietnam/Asien

Vietnamkrieg – den Spuren der Geschichte folgen

Wenn man an Vietnam denkt, so denkt man auch gleich an den Vietnamkrieg. Es ist zwar schon lange her, aber ich habe immer noch die erschreckenden Bilder im Kopf, die in meiner Kindheit im Fernsehen liefen. Das war auch ein Grund, weshalb ich dieses Land bereisen wollte. Sieht man noch Auswirkungen des Krieges? Wie geht die Bevölkerung mit dem Krieg um? Und und und …

Ein kurzer Überblick zum Vietnamkrieg 

  • 1887: Die Franzosen vereinen ihre Kolonien bzw. Prektorate Cochinechine (Süden), Annam (Mittelvietnam) und Tongking (Norden) zur Union Indochinoise.
  • 1930: Ho Chi Minh gründet in Hongkong die Kommunistische Partei Vietnams.
  • 1940-1945: Japan besetzt das Land, duldet aber die französische Verwaltung.
  • 1945: Nach der Kapitulation Japans ruft Ho Chi Minh die Demokratische Republik Vietnam aus.
  • 1946: Frankreich möchte seine Kolonie nach Beenden des Zweiten Weltkriegs wieder erhalten und entsendet Truppen, um mittels Militär die Macht wiederzuerhalten. Vietnam wehrt sich; der erste Vietnamkrieg entfacht. 
  • 1954: Frankreich kapituliert. Die Franzosen ziehen ab. Im Genfer Abkommen teilt der 17. Breitengrad das Land in zwei neutrale Militärzonen. Innerhalb von zwei Jahren sollen Wahlen im ganzen Land über die Zukunft es Landes entscheiden.
  • 1955: Die USA unterstützen den Machthaber im südlichen Teil Vietnams und verhindern freie Wahlen im ganzem Land aus Furcht vor einem Sieg der Kommunistischen Partei Vietnams. Es kommt zu Bürgerkriegen, in dem der südliche Teil mit Unterstützung der USA versucht, immer mehr Landesteile zu erobern. 
  • 1964: Die USA provozieren im Golf von Tonkin einen Zwischenfall mit einem amerikanischen Zerstörer und bombardieren ohne Kriegserklärung Teile Nordvietnams. 
  • 1968: Die Tet-Offensive der Nordvietnamesen zum Neujahrsfest wird zum militärischen Desaster mit hohen Verlusten auf Seiten der Nordvietnamesen, bringt aber die entscheidende Wendung im Vietnamkrieg. Durch die Medien (der Vietnamkrieg ist einer der bestdokumentierte Kriege aller Zeiten) erfährt die amerikanische Bevölkerung über die Grausamkeiten des eigenen Militärs. Es kommt zu Massenprotesten in Amerika und in Europa. Immer mehr Staaten versuchen die USA zum Abzug ihrer Truppen zu bewegen. Der Krieg weitet sich auf die Nachbarländer Laos und Kambodscha aus.
  • 1969: Ho Chi Minh stirbt.
  • 1973: Durch das Pariser Waffenstillstandsabkommen ziehen die USA ihre Truppen aus Vietnam zurück. Infolge dessen erobert der Norden Vietnams den Süden. Die Amerikaner verlieren das erste Mal in ihrer Geschichte einen Krieg.
  • 1975: Der Krieg endet mit der Einnahme Saigons am 30. April 1975.

Der Vietnamkrieg und seine Folgen

Während wir den Vietnamkrieg meistens eher als Krieg der Amerikaner gegen Vietnam sehen, sehen die Vietnamesen – nach Aussage eines Vietnamesen mit dem ich gesprochen habe – den Krieg vorrangig als Bürgerkrieg zwischen dem Norden und dem Süden Vietnams. Vielleicht ist dies auch ein Grund dafür, dass die Vietnamesen heute scheinbar keinen Groll mehr gegenüber Franzosen oder Amerikanern hegen. Dies war zumindest unser Eindruck. Und das, obwohl immer noch Kinder geboren werden, die körperlich durch die Folgen des Krieges geprägt sind.

Zur Zeit des Vietnamkrieges führte insbesondere die Guerillaorganisation National Liberation Front (NLF), im allgemeinen Vietcong genannt, den bewaffneten Widerstand gegen die vietnamesische Regierung und die sie unterstützenden Streitkräfte. Um ebendiesen Vietcong zu bekämpfen, setzten die Vereinigten Staaten als Regierungsverbündete unter anderem hochgiftige Entlaubungsmittel ein. Zum einen sollte der Dschungel sein Blätterdach verlieren und so der Vietcong leichter aufgespürt werden. Zum anderen sollten die zerstörten Nutzpflanzen dem Widerstand die Lebensgrundlagen nehmen. Das bekannteste Entlaubungsmittel war Agent Orange. Es wurde aufgrund seiner Banderole auf den Giftfässern so genannt und enthielt neben Dioxin noch andere hochtoxische Stoffe. Es wurden aber auch noch weitere ebenso giftige oder noch giftigere Entlaubungsmittel, eingesetzt, z. B. Agent Pink oder Agent Blue. Infolgedessen kommen noch heute Kinder mit schlimmsten körperlichen Schäden zur Welt wie verstümmelten Gliedmaßen oder einem Wasserkopf. Aufgrund des Krieges ist zudem das Durchschnittsalter der Vietnamesen nach wie vor relativ niedrig. Die jungen Vietnamesen schauen dabei jedoch glücklicherweise offensichtlich mehr nach vorne in die Zukunft als in die Vergangenheit. 

Durch die Vielzahl an eingesetzten Landminen empfiehlt es sich in einigen Landstrichen nur die offiziellen Wege zu benutzen. Zwar wurden im gesamten Land die Minen entschärft, dennoch kommt es immer noch zu einigen Detonationen.

Lohnenswerte Reiseziele auf den Spuren des Vietnamkriegs

Ein bedeutender Stützpunkt des Vietcong waren die Tunnel von Cu Chi. Dieses ausgeklügelte Tunnelsystem liegt ca. 70 km von Ho-Chi-Minh-Stadt entfernt. Auf einer Gesamtänge von ca. 200 Kilometern gab es dort unter der Erde auf drei Ebenen ganze Städte mit Schulen, Krankenhäusern, Büros, Küchen und Schlafgelegenheiten. Als die Amerikaner an nahezu der gleichen Stelle eines ihrer Hauptquartiere errichteten, wussten Sie nicht, dass der Feind quasi direkt unter ihren Füßen lag. Heute kann man sich das ganze System bei einem Besuch dort genau erklären lassen. Absolut spannend und empfehlenswert – auch wenn es etwas befremdlich ist, dass man dort gegen eine Extragebühr auch die Möglichkeit hat, mit einem echten Maschinengewehr zu schießen (was wir nicht gemacht haben). Mehr zu den Tunneln auf Wikipedia

Auf sehr beeindruckende Weise dokumentiert auch das „War Remnants Museum“ in Ho-Chi-Minh-Stadt das Geschehen im Vietnamkrieg. In der Ausstellung werden verschiedenste Aspekte des Krieges sehr gut dargestellt und man erhält einen umfangreichen Überblick. Mehr dazu bei Expedia

Ein ebenso spannendes wie auch landschaftlich schönes Ziel in puncto Vietnamkrieg sind die Marmorberge bei Da Nang. Die Marble Mountains sind fünf Kalksteinfelsen und befinden sich dort, wo vor mehr als 45 Jahren die Grenze zwischen dem kommunistischen Norden und dem amerikanisierten Süden in der Nähe befand. Die US-Truppen unterhielten einen Flugplatz unterhalb der Berge und sonnten sich in ihrer Freizeit am kilometerlangen Sandstrand von Da Nang, den sie China Beach nannten. Sie ahnten nicht, dass vor ihren Augen die Mitglieder des Vietcong in der Höhle eines der Felsen ein Lazarett unterhielten und von dort auch Angriffe auf die Amerikaner unternahmen. Mehr dazu in der „Zeit“

Die sogenannte entmilitarisierte Zone (DMZ) in Vietnam wurde infolge des ersten Indochina-Krieges als Trennlinie zwischen Nord- und Südvietnam errichtet. Während des Vietnamkrieges wurde dieser Bereich wichtig als Schlachtfeldabgrenzung zwischen Nord- und Südvietnamesen. Aus zeitlichen Gründen haben wir es leider nicht geschafft, dort hinzufahren, aber ein Besuch – insbesondere bei der markanten Brücke – soll ebenfalls sehr lohnenswert sein. Mehr dazu auf Wikipedia

Außerdem gibt es natürlich noch viel mehr zu entdecken. So befinden sich zum Beispiel überall im Land noch kleinere Gedenkstätten mit eroberten Kriegsgeräten der Amerikanern und Gedenkstätten für gefallene Soldaten.

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